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Ute Königstedt

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ANGST

 

ANGST

Wo ist eigentlich das Vertrauen geblieben? Das Vertrauen in die Politik, in Wirtschaft, Banken und Manager, in Gesundheitswesen, Medizin und Lebensmittelindustrie? Wo ist das Vertrauen in andere Menschen geblieben und schließlich – wie steht es um das Vertrauen in dich selbst?

Viele Fragen für den Anfang eines Textes, der dich in die Hintergründe oder anders gesagt in die Urgründe der Angst mitnehmen möchte. Doch sie sind notwendig, um einen Moment inne zu halten. Stell dir diese Fragen. Atme ein und aus und schau in dir nach, wie es um dein Vertrauen bestellt ist. Sei ganz ehrlich mit dir selbst, denn niemand wird hören, was du denkst. Keiner wird verurteilen, was du fühlst, es sei denn du selbst bewertest, was aus deinem tiefen Inneren aufsteigt und darauf wartet, gesehen und angenommen zu werden.

ANGST

Immer wieder funkt sie dazwischen, wenn es darum geht, die eigene Wahrheit zu erkennen. Sie blockiert deine Wahrnehmung und baut vor deinem inneren Wissen eine Mauer auf. Du weißt nicht, was du in deinem Innersten fühlst, weil die Angst einen Schritt weiter denkt. Das tut sie, um dich vor den Konsequenzen zu bewahren. Sie will verhindern, dass du auf die Schnauze fliegst, dass du von Anderen gemieden wirst, dass du unglücklich wirst. ANGST ist eine Beschützerin.

Sie beschützt uns vor Gefahren, die in historischen und gesellschaftlichen Zusammenhängen gewachsen sind. ANGST warnt jedoch nicht länger nur vor dem Säbelzahntiger oder dem Unwetter. Sie geht weit darüber hinaus und folgt gesellschaftlichen Konventionen ebenso wie persönlich erfahrenem Leid. Dabei will sie immer nur eines: Dich vor neuem Leid bewahren. Und es ist ihr egal, ob du die leidvolle, schmerzliche Erfahrung selbst gemacht oder von deinen Vorfahren gelernt und übernommen hast. ANGST macht da keinen Unterschied. Sie folgt dem, was in die Zellen deines Körpers geschrieben ist.

Das, was da steht, kannst du nur erkennen, wenn du hinschaust. Sie lässt dich glauben, dass du schön sein musst, gesund, stark und vernünftig. Sie redet dir ein, dass Andere besser wissen, was dir fehlt, was du brauchst und was gut für dich ist. So tarnt sie sich hinter Gedanken, die von einer riesigen Industrie aufgegriffen und dir gespiegelt werden.

Du weißt nicht, welches Spiel sie mit dir treibt, denn die meisten Menschen haben Angst vor der ANGST und fürchten die Konsequenzen, die sich aus der Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse und Ängste ergeben könnten.

Dass eine dieser Konsequenzen wirkliche Freiheit und ein authentisch geführtes Leben ist, verschweigt die Beschützerin dabei geflissentlich. Das musst du schon selbst herausfinden und erkennen. Ich mache es dir leicht, denn ich sage dir, dass es so ist: ANGST verhindert, dass du in deine Kraft kommst und im Vertrauen in deine  Talente und Gaben ein erfülltes Leben führst.

ANGST verhindert auch, dass du dich deinen Mitmenschen und dem Fremden gegenüber öffnest, dass du dich einem Anderen anvertraust, dass du deine Arbeit und dich selbst liebst. Sie blockiert einfach alles, was lebens- und liebenswert ist.

Das Wort „Angst“ ist mit dem Wort „Enge“ verwandt. Das darfst du wörtlich nehmen, denn ANGST ist Enge. Du reißt dich zusammen, du verhältst dich, hältst dich zurück. Dich, dein Wissen und deine Fähigkeiten. In der ANGST – und sei sie noch so klein – wird alle Energie in deinem Körper festgehalten. Es fließt nicht so, wie es könnte. Die Lebenskraft wird genauso gestaut wie deine Kreativität, deine Lust, deine Freude am Sein. ANGST hält dich fest und gefangen in dem Schmerz, der ursächlich für die Angst selbst verantwortlich ist.

Schau einfach mal auf dich selbst. Wie oft hältst du die Luft an? Atmest das Leben durch dich hindurch, ein und aus, so, wie es natürlich wäre? Oder wie steht es um deine muskulären Verspannungen? Ist dein Rücken frei von Schmerz? Bist du in jeder Lebenslage locker und entspannt? Wahrscheinlich nicht, denn es ist „normal“, Angst zu haben, verspannt zu sein und keinen Raum zum Atmen zu haben.

ANGST ist in jedem Menschen Zuhause, denn sie gehört zu unserer Grundausstattung und dient dazu, uns vor Gefahren zu bewahren. Sie hat sich jedoch im Lauf der Jahrhunderte und Jahrtausende zu einem Selbstläufer entwickelt und so haben wohl die meisten Menschen Angst vor der Angst.

Gehörst du auch zu den Menschen, die befürchten, dass sich hinter oder unter deinen Ängsten etwas ganz Furchtbares verbirgt? Traust du dich nicht, in dein Inneres zu schauen, weil du annimmst, dass dort eine dunkle Kraft lauert, die alles vernichten könnte, was du liebst?

Du hast ANGST vor einer Macht, die uns gegeben wurde, um Schöpfer zu sein. Schöpfer des eigenen Lebens, Schöpfer einer lebenswerten Umgebung, die Mensch, Tier und Natur bewahrt, schützt und pflegt.

Wir alle haben in unserer Geschichte viel zu viele Kriege. Seit Jahrtausenden bekriegen sich Völker und Generationen, Andersdenkende und Andersgläubige. Das hat zur Folge, dass wir in einem Setting von ANGST leben. Das trifft auf jedes Gebiet der Erde zu. Es ist egal, wohin du schaust. Hier haben wir vielleicht Angst um die Gesundheit oder vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Anderswo haben Menschen Angst vor dem Feind, der die Frauen vergewaltigt und Kinder ermordet. Oder sie haben Angst, ihre Kinder, ihre Familie nicht ernähren zu können, von Wasser und Kleidung ganz zu schweigen. Die Welt ist ein Konstrukt der ANGST geworden. Mit allen Konsequenzen, die das mit sich bringt.

Wo ANGST herrscht, gibt es kein Vertrauen. Kein Vertrauen in das Leben, in Gott, eine höhere Macht, in den Nachbarn, die Bosse, die eigenen Gefühle und Bedürfnisse. ANGST verhindert Wahrnehmung. Sie ist die dunkle Brille, die das Schöne und Gute ausblendet. Und damit meine ich vor allem das Schöne und Gute, das in dir und jedem anderen Menschen ist. ANGST verhindert, dass diese Kräfte erscheinen und unser Leben bestimmen.

Nun wirst du vielleicht einwerfen, dass unter uns Menschen Mörder und Attentäter sind, Kinderschänder und Ausbeuter. Ja, das stimmt. Die ANGST dieser Menschen ist so groß, dass sie keinen anderen Ausweg aus ihrem Dilemma wissen, als Gewalt anzuwenden. Sie tragen die Gewalt, die ihnen auf die eine oder andere Weise angetan wurde, nach Außen. Sie erdulden nicht länger still. Ihr Maß ist voll.

Und wie steht es um diejenigen, die andere Menschen hassen, die Andersdenkende und Andersgläubige verurteilen? In ihnen hat die ANGST eine so große Hilflosigkeit geweckt, dass sie nicht mehr klar denken können. Das ist bei ANGST ganz normal. Denn im Zustand der ANGST wird das Blut vorrangig in die Muskeln transportiert. Das Gehirn wird dabei ebenso unterversorgt wie die Verdauungs- und Fortpflanzungsorgane. ANGST kennt nämlich nur ein Ziel: Das Überleben zu sichern!

Kampf oder Flucht, heißt die Devise der ANGST: „Mach dich bereit, zuzuschlagen oder abzuhauen, wenn der Säbelzahntiger erscheint!“ Deshalb werden Muskeln, Herzschlag und Atmung bevorzugt versorgt, damit du in der Gefahr schnell reagieren kannst. Allerdings wird vielfach vergessen, dass die ANGST noch ein drittes Reaktionsmuster hervorbringt und dieses Dritte halte ich für das Gefährlichste, denn es ist am weitesten verbreitet und wird kaum wahrgenommen. Es ist die Lähmung. Dann sind wir gelähmt vor ANGST, erstarrt, unfähig zu handeln und uns aus der Gefahrenzone hinaus zu bewegen. Dieses Reaktionsmuster findest du überall. Mit Sicherheit auch in dir. Wir nennen es Zurückhaltung oder Höflichkeit.

Nun möchte ich dich keineswegs dazu einladen, statt vornehmer Zurückhaltung auf alles einzuschlagen und deiner persönlichen Wut oder Hilflosigkeit mit den Mitteln der Gewalt Ausdruck zu geben. Nein. Es gibt andere Wege, den Schmerz, der dafür verantwortlich ist und in dir brennt, zu löschen. Das Problem ist nur, wenn man diese Mittel und Wege nicht kennt, dann bricht es irgendwann aus dir heraus. Das ist nicht immer und nicht bei jedem der Fall. Aber wenn es geschieht, dann mit solcher Macht, dass es wiederum ANGST macht, auch Anderen. An der Stärke der hervorbrechenden Gewalt kannst du erkennen, welches enorme Potential, welche immense ANGST in diesem Individuum gefangen war.

Wie ich schon sagte, ANGST ist gestaute Energie. Wenn sie zum Ausbruch kommt, macht sie auch Anderen ANGST. Ein Teufelskreis entsteht, der durch unreflektiertes Weitersagen und die Berichterstattung in den Medien noch geschürt wird. Ich frage mich schon lange, ob es immer die Energie der ANGST sein muss, die Informationen transportiert. Es ist auch nicht notwendig, Lager zu spalten und den Keil dazwischen noch weiter einzutreiben. Die Welt ist längst gespalten und das verdanken wir der Geschichte und dem Vorantreiben von ANGST.

Die ANGSTmacher von heute sitzen in Büros und schreiben Artikel oder Statistiken. Sie befinden darüber, ob ein Mensch qualifiziert ist, ob er eine Arbeit oder Geld zum Leben erhalten wird. Sie sitzen in Praxen und Krankenhäusern und bewerten deine Fähigkeit, dich selbst zu heilen. Sie sind Politiker und vertreten oder beherrschen die Bewohner eines Staates. Sie alle stellen Diagnosen und Prognosen und geben sie unters Volk. Sie handeln mit ANGST. So bleibt die ANGST lebendig und verhindert die Wahrnehmung all des Potentials, das gelebt werden könnte, wenn wir die Angst in ihre natürlichen Grenzen zurückführen würden.

So frage ich dich am Ende dieses Beitrags: Wem vertraust du? Kannst du wahrnehmen, was dein Herz sagt?

Ob dein Bauchgefühl Recht hat und du ihm vertrauen kannst, hängt davon ab, wieviel ANGST in dir gespeichert ist. Ob dein Herz wahr nimmt was ist, hängt davon ab, wieviel Schmerz es tragen muss. Dein Verstand wird dir in jedem Fall zu Hilfe eilen und die Gedanken der ANGST vorausschicken, wenn du in irgendeiner Angelegenheit unsicher bist. Kopf, Herz und Bauch spielen immer zusammen und zeigen dir, was du anschauen kannst, damit die Energie in dir frei wird, die dir ein erfülltes und friedvolles Leben schenken kann. Beginne damit, dir selbst zu vertrauen. Das ist ein guter Anfang.


© Ute Königstedt, Kastellaun 2015

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2 Antworten auf ANGST

  • Liebe Ute

    Vielen Dank für deinen Artikel. Ich habe ihn auf meinen Blogseiten verlinkt.
    Wir haben durch Überschüttung mit Informationen verlernt, auf unsere innere Stimme zu hören. Diese innere Stimme spricht von Liebe, Vergebung und Mitgefühl.

    Liebe Grüsse
    Ursula

    • Vielen Dank für deinen Kommentar und die Verlinkung, liebe Ursula Ortmann.

      Genauso ist es, die innere Stimme wird übertönt von lauten, Angst machenden Gedanken. Dem können wir Angst nehmende Worte entgegen setzen.

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